Elektra

Sie können sich nicht entscheiden, ob Sie alle SommerNachtsLesungen dieses Jahres oder nur einzelne besuchen möchten?
Natürlich möchten wir Sie gerne zu allen überreden; aber vielleicht haben Sie bemerkt, dass wir in diesem Jahr wieder zwei Lesungen im Programm haben, die schon in den vergangenen Jahren erfolgreich aufgenommen wurden.
Da wäre einmal Hugo von Hofmannsthals Tragödie "Elektra". Die Kritik damals war voll des Lobes:

Münchner Merkur (Freitag, 14. September 2007)

"Elektra" in der Pasinger Fabrik
Mitreißender Dialog über Rachepläne

Pasing - Erst leise, dann schreiend laut, mal aufwühlend mal beruhigend. Stephan Joachims Stimme bestimmt den Raum während der Lesung von Hugo von Hofmannsthals "Elektra" in der Pasinger Fabrik und gibt eindrucksvoll den zerrissenen Charakter der Protagonistin wieder. Es beginnt mit dem Monolog der Elektra, in dem sie über den Tod ihres Vaters Agamemnon trauert. Dieser wurde, nachdem er aus dem Trojanischen Krieg zurückgekehrt war, von seiner Frau Klytaimnestra und deren Geliebten Aegisth ermordet. Elektra ist ganz besessen von dem Verlangen, den Tod ihres geliebten Vaters zu rächen.

Stephan Joachim liest den größten Teil alleine, in dem Stück sprechen nie mehr als zwei Personen, somit ist gut verständlich, welchen Charakter er gerade wiedergibt. Nur zum Ende tauch sein Kollege Oliver Marc Gilfert in der Rolle des Aegisth auf. Joachim ist der künstlerische Leiter der Theatergruppe "jo.art". Er versucht Musikalisches mit dem Theater zu verbinden. "Aus diesem Grund beeindruckt mich 'Elektra', die Sprache ist sehr musikalisch. Es gibt sehr wenig Interpunktion", erklärt Joachim. Das Interessante an der Lesung solcher Stücke im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Inszenierung sei die Tatsache, dass man nicht proben müsse. "Ich werde auch von der Stimmung des Publikums beeinflusst", erklärt der Künstler. Er lasse es kommen, wie es kommt.

Einer Theateraufführung gleicht seine Vorstellung trotz alledem. Man darf nicht an langweilige Lesungen denken, in denen ein Autor seinen Text herrunterrattert. Vor allem in dem mitreißenden Dialog zwischen Elektra und ihrer Schwester Chrysothemis, in der Elektra versucht, sie von ihren Racheplänen zu überzeugen, kommt die Wandlungsfähigkeit des Vortragenden zum Ausdruck. Er ist, von einer auf die andere Sekunde, glaubhaft ein anderer Charakter. Die Schwester lehnt ab, sie will nichts mit den Mordgelüsten ihrer Verwandten zu tun haben. Doch schließlich kehrt Orest zurück. Der totgeglaubte Bruder Elektras, der nach dem Tod seines Vaters Zuflucht in Phokis gesucht hat, hilft seiner Schwester beim Mord an der eigenen Mutter und dem Stiefvater. Am Ende bleibt die Frage, was wichtiger ist: Den Vatertod zu sühnen oder durch diese Tat einen Anlass zu weiteren Racheakten zu geben.

Oliver Marc Gilfert, der zum Schluss als sterbender Aegisth auftritt, kennt die Rolle gut, er hat sie bereits vor fünf Jahren bei der Inszenierung des Stückes gespielt. Ohne aufwändiges Bühnenbild und Effekten wird diese Lesung zu einem interessanten Erlebnis.  ...